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Das Frühstück für einen Millionär

20 апреля, 06:30

Dank dem im August 2009 in Kraft getretenen Gesetz, das eher unter der Nummer 217 als unter dem komplizierten Namen bekannt ist, wurden in den letzten zwei Jahren an Tomsker Universitäten 72 Innovationsunternehmen gegründet. Im Föderationskreis Sibirien entstanden insgesamt 244 solche Unternehmen im Rahmen dieses Gesetzes, das heißt 30% der sibirischen Startups werden in Tomsk gegründet.

Aber allein die Anzahl der Unternehmen bringt noch kein Ergebnis. „In der Region Tomsk werden auf verschiedene Weise 350 Innovationsprojekte jährlich unterstützt, sagt der stellvertretende Vize-Gouverneur für wissenschaftstechnische und innovative Politik und Bildung Aleksej Puschkarenko. Und als Ergebnis haben wir heute zwei Studenten, die Dollar-Millionäre sind. Wenn wir aber einen konkreten Studenten ausgewählt hätten und ihm die Aufgabe gestellt hätten, dass er in drei Jahren ein Dollar-Millionär werden soll, würde so was nie funktionieren“. Anders gesagt, das Besondere an diesem Prozess ist es, dass nur aus 10% der patentierten Innovationen ein erfolgreiches Geschäft wird. Tomsker Forschungs- und Bildungseinrichtungen bekommen jährlich 500–520 Patente und gründen 50  Innovationsunternehmen, das sind gerade dieses 10%, also eine sich weltweit bewährte Praxis.

Es ist Zeit die Schwerpunkte zu verschieben

Die kleinen Innovationsunternehmen, und groß können sie a priori nicht sein, sind eigentlich nur ein Teil des Gesamtbildes. Den Klein- und Mittelunternehmen in der Region Tomsk geht es schon längst ganz gut. Bei der Schaffung von günstigen Bedingungen für die Entwicklung des Unternehmertums hat die Region führende Positionen nicht nur in Sibirien, sondern in ganz Russland. Die Experten glauben, die Haushaltseinnahmen der Region von KMUs sind mit denen der Erdölindustrie zu vergleichen, d.h. direkte und indirekte Einnahmen (z.B. Einkommensteuer) machen ca. 20–24% des Haushaltes aus. Wenn wir  berücksichtigen, dass 2011 der Einnahmeteil im regionalen Haushalt  37,5 Mrd. Rubel ausmachte, entfallen mindestens 6–7 Mrd. auf die KMUs.

Die sich dynamisch entwickelnden Kleinunternehmen sind keine „Stifkinder“ der Wirtschaft mehr, in einer bestimmten Phase wurden sie zu einem selbstständigen Wirtschaftssektor.  Heutzutage beschäftigen 32 Tausend Einzelunternehmer und 27 Tausend Kleinunternehmen in diesem Sektor 230 Tausend Einwohner der Region. Die meisten Kleinunternehmen bieten zwar Dienstleistungen an, wobei die private und staatliche Unterstützung von  Kleinunternehmen vorwiegend auf die Förderung der neuen Technologien begrenzt ist.

Die allmähliche Tendenz nach Innovationen ist vor allem bei der staatlichen Förderung von Unternehmen zu beobachten. Die Innovationsunternehmen haben in Tomsk die größten Chancen eine Förderung zu bekommen, die Unternehmen im Bereich Dienstleistungen haben viel geringere Chancen, aber als ein kleines Handelsunternehmen hat man fast keine Chance, auf die Förderungsliste zu kommen.  

Insgesamt hat die Region Tomsk 2011 für die regionalen Programme zur Förderung der Kleinunternehmen 276 Mio. Rubel zur Verfügung gestellt. Die föderalen Haushaltsmittel machen dabei 167 Mio. Rubel aus, 20 Mio. Rubel sind extra für die Förderung der Innovationsunternehmen bestimmt. „Unsere Aufgabe ist, den Umfang der föderalen Haushaltsmittel zu bewahren versuchen und diese Mittel effizient einzusetzen, sagt der Vize-Gouverneur der Region Tomsk, Leiter des Departements für die Entwicklung des Unternehmertums und des reellen Wirtschaftsektors Andrej Trubizyn. – Sie helfen uns die Lücke zwischen der Forschung und Entwicklung und der Produktion schließen. Einerseits müssen wir damit die Unternehmen für diesen Wirtschaftssektor gewinnen, andererseits solche Bedingungen schaffen, die die Entstehung von neuen verschiedenen Unternehmen möglich machen werden“. 

Die Unterschiede zwischen den traditionellen und innovativen Unternehmen führten seinerzeit dazu, dass außer dem Programm zur Förderung der Kleinunternehmen, auch ein neuer Punkt im Programm zur Förderung der Innovationstätigkeit entstand. Dieses Programm hat als Ziel, die neue Wirtschaft zu entwickeln und sieht verschiedene Zuschüsse für Innovationsunternehmen vor: bis zu 5 Mio. Rubel bei der Gründung eines Produktionsbetriebes, bis zu 4 Mio. Rubel bei der Förderung einer hochtechnologischen Produktion. Um diese Prozess zu kontrollieren, hat die Administration der Region Tomsk eine Arbeitsgruppe gebildet, die die Tätigkeit der kleinen Innovationsunternehmen analysieren wird, die an den Universitäten im Rahmen des föderalen Gesetzes 217 gegründet sind. Es ist offensichtlich, dass nachdem das Konzept  INOTomsk´2020 gebilligt ist, wird das Interesse der lokalen Macht an innovativen Startups  immer weiter zunehmen. Die künftigen Dollar-Millionäre werden also Mittel haben, um en eigenes Geschäft zu gründen.

Mekka der Intellektuellen

Tomsker OOO Kiberzentr (dt. Cyber-Zentrum ) wurden zum ersten Unternehmen in Russland, das 2009 im Rahmen des föderalen Gesetzes 217 gegründet wurde. Seit dieser Zeit wurden dank diesem Gesetz 72 weitere Innovationsunternehmen gegründet.  Diese Kleinunternehmen haben 275 neue Arbeitsplätze geschafft, also 4–5 Arbeitsplätze in jedem Unternehmen. Die Tomsker Polytechnische Universität ist mit 25 Startups der Spitzenreiter bei der Gründung von kleinen Innovationsunternehmen. Ihr folgen die Tomsker Universität für Steuerungssysteme und Radioelektronik mit 22 Startups, die Tomsker staatliche Universität mit 13 Startups, die Tomsker Universität für Bauwesen und Architektur (4 Startups) und Tomsker Forschungszentrum der Sibirischen Abteilung der Russische Akademie der Wissenschaften (4 Startups). Staatliche Zuschüsse bis zu 500 Tausend Rubel haben in den letzten zwei Jahren 64 Unternehmen bekommen, darunter 38 Unternehmen, die im  Rahmen des föderalen Gesetzes 217 gegründet wurden.

„Wir sind eine klassische Universität, und es fällt uns schwer, mit den technischen Universitäten zu konkurrieren“, sagt der Prorektor für Forschung an der Nationalen staatlichen Forschungsuniversität Tomsk Grigorij Dunaewskij. Aber trotzdem haben wir uns das Ziel gesetzt, große Unternehmen zu gründen. Acht unter dreizehn schon existierenden  Unternehmen haben ein Satzungskapital von 1–3 Mio. Rubel. Und wir bemühen uns diesem Ziel gerecht zu bleiben und gründen jedes Jahr etwa fünf neue Startups. So ein Startup bekommt meistens eine Technologie, die multipliziert werden soll, es muss also ein Produktionsbetrieb mit guten Kapazitäten gegründet werden“.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Herstellung von Glyoxal mit Hilfe der nanostrukturieren

Katalysatoren. Russland wurde damit zum achten Land in der ganzen Welt, das eine eigene Technologie zur Herstellung dieses Stoffes besitzt.

„ Ich glaube nicht, dass in der Stadt Tomsk in der nächsten Zukunft eine Großfabrikation entstehen wird, sagt Aleksej Puschkarenko.  Die Region Tomsk wird nie Autos produzieren. Wir haben einen anderen Weg zu gehen. Wir sollen ein großes Zentrum für Bildung und Forschung werden. Wir haben jedes Jahr ungefähr 15 Tausend Hochschulabsolventen. 1,5–2 Tausend Absolventen bekommen ein Diplom mit Auszeichnung. Wenn wir Bedingungen schaffen, damit die besten Absolventen in Tomsk bleiben, werden wir zum Mekka der Intellektuellen“.     

Es ist offensichtlich, wenn die Absolventen gute Bedingungen für den Start eines eigenen Geschäfts bekommen werden, werden sie auch hier leben bleiben. Die  Statistik beweist aber, dass 10–15%  aller Startups nach einiger Zeit schließen, da das Geschäft nicht erfolgreich geworden ist. „Das ist aber keine Tragödie, wenn eine Businessidee nicht funktioniert hat, sagt Andrej Trubizin. Meistens, wenn die Menschen Lust auf unternehmerische Tätigkeit haben, versuchen sie das wieder und wieder. Ein Kleinunternehmen vermittelt dem Menschen das Gefühl, selbst etwas produziert zu haben, selbst Schöpfer und nicht nur Konsument zu sein“.

Der Dornenweg der Innovationen

Um heute ein Anfangskapital für ein kleines Innovationsunternehmen zu bekommen, braucht man nur ein  gutes Projekt zu schreiben. „Schon das zweite Jahr haben wir Probleme mit den Zuschüssen für schon existierende Innovationsunternehmen, sagt Andrej Trubizin. Meistens ist es aber ein rein psychologisches Problem. Wenn die anderen Unternehmen schon daran gewöhnt sind, das wir keine Gelder im Voraus auszahlen, sondern den Ausschreibungsgewinnern nur Zuschüsse für entstandene Kosten zur Verfügung stellen, so sind die Innovationsunternehmen meistens  nicht im  Stande, diese Kosten nachzuweisen“. 

Wenn die staatlichen Behörden dieses Problem in Kauf nehmen können, so ist es bei den privaten Stiftungen nicht der Fall. Deswegen sind die auch nicht bereit in die Innovationstätigkeit zu investieren. Für die Entwicklung der Innovationswirtschaft müssen aber Hunderte von Projekten gleichzeitig finanziert werden, auch wenn man versteht, dass die meisten nie erfolgreich werden. „Ein kleines Unternehmen kann aus verschiedenen Quellen von 5 bis 10 Mio. Rubel bekommen. Das sind Gelder aus dem regionalen Haushalt, Zuschüsse der Stadt, Förderungsmitte der Bortnik-Stiftung. Aber eine Förderung in Höhe von 10 bis 90 Mio. Rubel zu bekommen, ist es schon problematisch. Diesen Bereich sollen die Russische Risikokapitalgesellschaft, der regionale Venture-Fonds und andere Risikokapitalgesellschaften finanzieren, aber die tun das nicht. Die Bedingungen sind so, dass bei jedem Projekt ein neues Unternehmen wie Intel oder Microsoft entstehen soll. Aber das ist nicht realistisch“, sagt Aleksej Puschkarenko.

„Leider sind Finanzinstitute, die heute in Russland funktionieren, nicht für die Innovationsunternehmen wirklich geeignet. Die Kredite bekommen meistens Unternehmen in den Bereichen Dienstleistungen und Handel“, fügt die Vorsitzende der Gesetzgebenden Duma der Region Tomsk Oksana Koslowskaja hinzu. Als eines der Instrumente zur Förderung der Innovationsunternehmen könnte das geistige Eigentum sein, wenn es als Pfand bei der Kreditaufnahmen angenommen wird. „Wir wissen noch nicht, wie man mit so einem Pfand arbeiten kann, aber diesen Weg geht die ganze zivilisierte Welt“, sagte sie. O. Koslowskaja zufolge, kann die Region Tomsk zu einem Modell für Entwicklung von neuen Mechanismen und Instrumenten zur Förderung der Klein- und Mittelunternehmen werden. Dann bekommt der heutige Student und künftiger Millionär  nicht nur Anfangskapital für das Frühstück, sondern auch was für das Mittagessen, und vielleicht sogar für das Abendessen.

Опубликовано:2012-04-20 06:30 | Обновлено:2012-04-20 07:40
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