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Ein Geschäft im Mikrowellenbereich

20 апреля, 04:51

Erstaunlich,  aber wahr. Das Forschungs- und Produktionsunternehmen Micran, das im Laufe von 20 Jahren zu einem Brand für Tomsker Innovationen wurde, war noch vor einigen Jahren für die meisten Tomsker terra incognita. Viele haben zwar gewusst, dass es so ein Unternehmen gibt, aber hatten keine Ahnung davon, womit es sich befasst und inwieweit seine Tätigkeit der Innovationsentwicklung der Region entspricht. Der Durchbruch passierte im September 2010, als Micran neben dem Dramatischen Theater, wo gerade die 9. wissenschaftlich-technische  Konferenz zum Thema „Technologische Modernisierung als Grundlage für die Steigerung der Wettbewerbstätigkeit in der Radioelektronik“ das mobile System für digitale Verbindung  MIK-MKS mit einer 32-m-Mast auf Basis von  einem Vier-Achs-KamAZ aufgestellt hat. So ein  „beeindruckendes Ding“, das im  Auftrag des Verteidigungsministeriums gemacht wurde, existierte damals nur in zwei Exemplaren in der ganzen Welt. In Tomsk wurde dieses System nur zwei Monate später nach dem Internationalen Luft- und Raumfahrt-Salon in Shukowski ausgestellt. Die Reaktion der Einwohner hat ganz genau der Gouverneur der Region Tomsk ausgedrückt, indem er sagte, dass es in der Stadt nach Manövern aussieht.

Aber trotz diesen hervorragenden Erfolges (es ist geplant, dass MIK-MKS für die Breitbandübertragung während der Olympischen Spiele in Sotchi eingesetzt wird) ist es nur ein einzelnes Beispiel dafür, wie die Erfindungen dieser Firma Anwendung finden. Die Anwendungsbreite ist sehr  groß. Kurz gesagt – das ist die Mikrowellentechnik: Module und Systeme, Komponente für die Mikrowellenanlagen, Ausrüstung für die Telekommunikation, verschiedene Messgeräte. Man  kann auch sagen, dass Micran schon jetzt eine Art Cluster für die Höchstfrequenzforschungen aufgebaut hat und das ließ das Unternehmen  diesen Durchbruch vor drei Jahren schaffen.

Von 8 bis 1 000

Unter den Auftraggebern von Micran sind einige Firmen der staatlichen Gesellschaft Rostechnologii, die Konzerne PWO Almas-Antej und Wega, eben wie das Entwicklungs-und Konstruktionsbüro Suchoi zu finden.  Mit der Luftfahrttechnik hat Micran aber eine besondere Beziehung. Das Unternehmen produziert Module für phasierte Antennengitter, das sind die „Augen und Ohren“ der MiG-35-Jagdflugzeuge. Ähnliche Radare werden auch für die Binnenflotte benutzt. Die abgestrahlte Leistung einer Fluss-Radar-Anlage ist geringer als die eines Mobiltelefons, aber es kann ein Blockholz oder eine Eisscholle in einer 12-m-Entfernung entdecken. 

Die Entwicklungen von Micran im Bereich der Mikrowellenelektronik  können den Produkten so eines Riesens wie die Firma Ericsson Konkurrenz machen. Die heutigen Konkurrenten wissen es sicher nicht, dass alles 1991 mit einer kleinen Firma  mit nur 8 Mitarbeitern angefangen hat. Heute zählt Micran über 1000 Mitarbeiter. „Zuerst produzierte die Firma Komponente, die wir den anderen Firmen geliefert haben, erzählt der Generaldirektor des Unternehmens Wiktor Gjunter. – Am Anfang arbeiteten wir zusammen mit Moskauer Forschungsinstitut für Radiogerätebau an einem interessanten Projekt – das niedrige orbitale Satellitensystem „Signal“. Wir haben in dieses Projekt 90 Prozent eigener Ressourcen investiert, aber das Projekt war ein Misserfolg. Trotzdem gab uns das Projekt die Möglichkeit, vier Jahre zu existieren und wir haben  das Bodenmodell mit unserer Mikrowellentechnik ausgestattet. Das reichte uns auch, um sich konsequent in diesem Bereich zu entwickeln. Als 1994 der Auftraggeber das Projekt geschlossen hat, zählte unsere Firma schon 30 Mitarbeiter. Und wir haben auch unsere Nische auf dem Markt gefunden – digitale Richtfunk-Verbindungsstation. Wir hatten schon gute Technologien und wir haben es geschafft, 1996 die ersten Muster zu machen und mit dem Verkauf zu beginnen. Davon haben wir gelebt und haben uns weiter entwickelt“.

Mit unverhohlener Freude zeigt Wiktor Gjunter uns heute stolz die Baustelle für die neue Fabrik für radioelektronische Geräte, wo die Forschungsabteilung und die industrielle Produktion untergebracht werden. Das 5-stöckige Gebäude mit Gesamtfläche von 14 Tausend qm kostet dem Unternehmen 600 Mio. Rubel. „Das ist das Gebäude eines alten Tomsker  Werkes, erklärt Wiktor Gjunter. Wir haben ein Projekt gemacht und haben dafür eine eigene Bauabteilung organisiert. Hier werden wir radioelektronische Geräte auf technisch neuestem Stand entwickeln und werden versuchen damit auf den Weltmarkt zu kommen“. Die Frage darüber, wozu das Unternehmen so eine teure Immobilie im Zentrum der Stadt braucht hat W. Gjunter sehr verwundert: „Und wollten Sie das hier noch ein Kaufhaus eröffnet wird? Das wird eine saubere Produktion sein, die Menschen sollen es angenehm und bequem am Arbeitsplatz haben“.  

Was die „saubere Produktion“ betrifft, so ist kein Witz von Herrn Gjunter. Das Hauptprodukt von Micran sind Halbleiterchips aus Galliumarsenid, das eines der wichtigsten Elektronenhalbleiter ist. Dieses Material übertrifft in seinen Eigenschaften das für die Radioelektronik traditionelle Silizium und ist deswegen für die Militärtechnik unersetzlich. In dem Reinraum, wo die Halbleiterchips hergestellt werden, ist die Luft nach allen Kennwerten sauberer als in beliebigen OP-Raum. Die spezielle Kleidung ist antistatisch, denn ein einziges Staubteilchen oder eine Mikroentladung können die Herstellung von  Halbleiterchips völlig hindern. Deswegen ist es auch fast unmöglich, in so einen Reinraum währen der Führung reinzugehen. Die restlichen Räume sind aber zu besuchen, und einiges darf man auch antasten. Die integrierte Mikrowellenelektronik, die digitalen Richtfunkstationen, die Daten mit einer Geschwindigkeit bis zu 155 Mbit/s übertragen, kabellose Technik für Breitbandzugang auf Basis von WiMAX und LTE, Navigationssysteme … Das alles zwang einfach das Unternehmen, ein neues Department für Informations-Messsysteme zu gründen, mit dessen Produkten die Firma große Hoffnungen verbindet. 

Kontrolle und Ordnung

Das Department für Informations-Messsysteme produziert verschiedene Messtechnik. Zuerst wurde diese Messtechnik für eigene Bedürfnisse, für das Testen der Mikrowellenelektronik,  entwickelt und hergestellt. Aber die Qualität dieser Produkte war so hoch, das auch andere Firmen dafür Interesse zeigten. Heute wird diese Messtechnik in ganz Russland geliefert, was eigentlich auch kein Wunder ist. Ähnliche Technik produzieren weltweit nur zwei Firmen in den USA und in Deutschland. „Im Laufe von zehn Jahren haben wir die ganze Palette der Messtechnik entwickelt, erzählt der Direktor des Departments für Informations-Messsysteme  Ewgenij Andronow. -Früher produzierte solche Messtechnik  z.B. Hewlett-Packard, inzwischen beschäftigt sich damit nur ein Departement in dieser Firma. Der russische Markt für Messtechnik wird auf  fünf Milliarden Rubel geschätzt. Unser Jahresproduktion beläuft sich auf 300–400 Mio. Rubel“.

Inzwischen liegt der Jahresabsatz von Micran bei über 1 Milliarde Rubel. Sein strategisches Ziel ist, einen gleichen Absatz bei Messtechnik auf dem Binnenmarkt zu erreichen. Bis 2013 soll der Absatz auf 2 Mrd. Rubel steigen. Als nдchster Schritt ist die ErschlieЯung des Weltmarktes gedacht. „Die durchschnittlichen Kosten bei einem Produkt liegen bei 1 Million Rubel, erzählt Ewgenij Andronow. Wir machen keine Kopien von den Produkten aus den USA, wie z.B. unsere Kollegen aus China. Wir entwickeln unsere eigene Technik. Das ist die Messtechnik für den Höchstfrequenzbereich. Die Firma Apple hat z.B. vor einem Jahr 16 solche Anlagen bei der deutschen Firma Rohde&Schwarz gekauft, um die I-Phons und I-Pads zu entwickeln. Sie enthalten Komponente, die diesen Frequenzbereich brauchen. Unsere Kunden sind alle, die mit der Produktion von Radioelektronik was zu tun haben. Ich kann auch sagen, dass die Endprodukte von Micran bis zu 90 Prozent aus unseren eigenen Bauelementen besten“.

Die Tomsker Entwickler sind sicher, dass die Erschließung des Weltmarktes mit Technik auf so einem Stand absolut realistisch ist. So kann z.B. ein Modul vom MiG-35-Jagdflugzeug innerhalb von 5 Minuten getestet werden, wobei früher dafür 10 Stunden erforderlich waren. Der Anteil von Micran auf dem russischen Markt für Messtechnik liegt bei 20%. Die Qualität der Technik wird ständig verbessert, da 75% der Gesamtproduktion auf den militärischen Bereich orientiert sind und die Qualitätsanforderungen in diesem Bereich sind wesentlich höher als die in dem zivilen Bereich.

Die Frage der Zeit

Das Jahr 2011 war ein Wendejahr für das Unternehmen. Wenn der Rückkehrpunkt schon seit mehr als zehn Jahren vorbei ist, so wurde das vorige Jahr zu einer „Stunde Null“ für neue Möglichkeiten. Zu den letzten Erfolgen des Unternehmens zählen die Eröffnung der Produktion von Basisstationen für 4G-Netze im OOO Zentrum für drahtlose Technologien – ein gemeinsames Projekt von Micran und Nokia Siemens Networks (mehr dazu in Expert-Sibir“ № 48 / 2011). Im zweiten Quartal wird in der Sonderwirtschaftszone Tomsk ein neues Laborgebäude des Ingenieurzentrums mit Gesamtfläche von 1,85 Tausend qm in Betrieb genommen. In diesem Gebäude wird der Fertigungsbereich für LTE-Basistationen untergebracht.

Das Unternehmen wird auch weiter an der Umsetzung des gemeinsamen Projekts mit der Tomsker Universität für Steuerungssysteme und Radioelektronik zur Entwicklung und Einführung der technologischen Grundlagen für Projektierung und Herstellung der analogen und digitalen Mikrowellentechnik auf Basis von eigenen Elementen arbeiten. 2010 hat Micran die föderale Ausschreibung für ein Projekt mit gesamtkosten von 600 Mio. Rubel gewonnen; das Projekt wird zu 50% vom Ministerium für Forschung und Bildung finanziert und 50% machen die eigenen Mittel des Unternehmens aus.

Micran wird bald auch eigene Entwicklungen in ganz neuen Bereichen präsentieren, darunter auch Technik für Kontrolle und Schutz gegen Informationsverluste durch Crosstalks und induktive Störungen und das Versuchsmuster für die neue Generation der  Radarsysteme mit hoher Auflösung RLS MRS-1000, die für die Sicherheit in Informationssystemen bestimmt sind.

20 Jahre sind sowohl nach russischen, als auch nach Weltstandards ausreichend, damit aus einem Startup ein großes Unternehmen wird. Außer dem ehrgeizigem Ziel den ausländischen Markt zu erschließen, das eigentlich jedes solide Unternehmen hat, hat Micran auch ganz relaistische Ziele unzw. die Gründung eines sibirischen Clusters zur Entwicklung und Herstellung der elektronischen Bauelemente für den Mikrowellenbereich und zur Herstellung der darauf basierten Produkte. Und wie bei jedem Projekt von Micran, es ist nur die Frage der Zeit, aber dieses Ziel wird sicher erreicht.

Опубликовано:2012-04-20 04:51 | Обновлено:2012-04-20 05:04
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