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Eine immaterielle Errungenschaft und Stolz der Stadt Tomsk ist das System für Zusammenwirken der Universitäten

19 апреля, 08:38

Im Laufe von mehreren Jahren besteht zwischen Tomsker Universitäten nicht nur Konkurrenz, sondern auch aktive Kooperation. Um dieses Zusammenwirken zu verstärken, unterzeichneten die Rektoren ein Abkommen zur Gründung eines Konsortiums. Im Interview mit der Journalistin  Eleonora Tschernaja von RIA Nowosti erzählte der Rektor der Nationalen staatlichen Forschungsuniversität Tomsk, Professor Georgij Majer über die Ziele und Aufgaben des Konsortiums, über die Zukunftspläne der Tomsker Hochschulen.

–  Das Konsortium der Tomsker Hochschulen wird als eine einzigartige Vereinigung bezeichnet. Was glauben Sie, warum entstand das erste Universitätskonsortium Russlands gerade in Tomsk?

– Zwischen Tomsker Universitäten bestand schon immer Konkurrenz. In den Sowjetzeiten standen wir im Wettbewerb um die Studenten, um Wirtschaftsverträge und heute noch um die Möglichkeiten für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Aber dabei existierte auch die Hochschulkooperation. Eine immaterielle Errungenschaft und Stolz der Stadt Tomsk ist das System für Zusammenwirken der Universitäten. Dieser Begriff des Zusammenwirkens existiert seit langem und entstand als in Sibirien die erste Universität gegründet wurde. Hier unterrichteten Dozenten aus Moskau, Warschau und anderen Städten, später wurde das Technologische Institut eröffnet, zwischen den Hochschulen begann ein Dozentenaustausch. So entstand diese einzigartige Atmosphäre, die dazu führte, dass die wissenschaftlichen Schulen der Tomsker Universitäten sich durch gegenseitigen Austausch entwickelten. Tomsk hatte Glück, sich als eine eigenartige Stadt zu bewahren, als ein russisches herrliches Städtchen. Im geistigen Sinne bewahrte sich Tomsk als eine Art Mekka.

– Das Hochschulkonsortium wurde also zu einem logischen Ergebnis dieser besonderen Atmosphäre von Tomsk?

– Zweifellos. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses Abkommens waren die Universitäten schon sowieso durch verschiedene Kooperationsverträge verbunden. Im Rahmen der technologischen Plattform „Medizin der Zukunft“ realisiert Tomsker staatliche Universität (TSU) zusammen mit der Sibirischen staatlichen medizinischen Universität Projekte mit Budgets von mehreren Millionen Rubel. Das Konsortium ist ein flexibles Verwaltungssystem für die Universitätskooperation, um zusätzliche Vorteile in Form von neuen Projekten zu bekommen. Wenn wir es schaffen, das Geplante tatsächlich zu realisieren, wird es die Tomsker Universitäten wesentlich voranbringen.

– Auch auf den Uni-Weltrangslisten?

– In seiner jährlichen Ansprache an die Bürger der Region äußerte der Gouverneur der Region Tomsk seinen Wunsch, dass Tomsker Universitäten ihr Positionen auf den Weltranglisten verbessern sollen. Und ich glaube, das ist machbar, weil gerade heute eine neue Art der Universitätskooperation entsteht. Eine Reihe von russischen Universitäten kam schon auf die Uni-Weltrangliste: Staatliche Universität Moskau, Staatliche Universität Sankt-Petersburg, Staatliche Universität Nowosibirsk und Staatliche Universität Tomsk. Wir sind zwar nicht an der Spitze dieser Ranglisten. Aber in den letzten Jahren hat unsere Universität geschafft, in die Top-400 zu gelangen. Der Gouverneur stellte die Aufgabe bis 2020 in die Top-300 zu gelangen. Ich bin sicher, dass die Staatliche Universität das schaffen wird. Das Konsortium mit seinen neuen Projekten wird den Universitäten helfen, Geld zu verdienen.  Das ist notwendig, damit jede Universität ihr eigenes Entwicklungsprogramm realisieren kann. Vor kurzem wurde eine Uni-Rangliste im Bereich Innovationstätigkeit zusammengestellt. Die Kriterien dieser Rangliste sind folgende:   Gelder, die die Uni mit Forschungsarbeiten verdient hat, die Teilnahme an technologischen Plattformen, Programme der Innovationsentwicklung für Unternehmen usw. Die Staatliche Universität Tomsk steht in dieser Rangliste auf Platz 4, nach der Staatlichen Universität Moskau, der Staatlichen technischen Bauman-Universität Moskau und dem  Moskauer ingenieur-physikalischen Institut (MIFI). Wir haben ьber 1,5 Mrd. Rubel verdient.

– Wird es geplant, das Konsortium durch Hochschulen aus anderen Städten zu erweiter?

–  Ich glaube die anderen sibirischen Universitäten werden sicher den Wunsch äußern, assoziierte Mitglieder dieses Konsortiums zu werden. Ich glaube, darunter auch einige Universitäten  von Novosibirsk. Wir haben auch gute Kontakte mit den Universitäten von China und Taiwan.

– Es gibt noch einen Aspekt bei der internationalen Kooperation. Welche Folgen kann es für Forschung und Bildung in Tomsk geben, wenn Russland der WTO beitreten wird?

– Wir werden mit ausländischen Universitäten um die russischen Studenten im Wettbewerb stehen. Im Großen und Ganzen öffnet der WTO-Beitritt die Türe für ausländische Waren und Dienstleistungen, darunter auch im Bereich Bildung. Es werden Filiale der ausländischen Universitäten in Russland eröffnet. Das Konsortium hat vor, ein Programm für Studentenaustausch  zwischen den Universitäten von  Tomsk und  den Universitäten anderer Länder zu erarbeiten. Schon heute haben einige Studenten der Staatlichen Universität Tomsk die Möglichkeit das Diplom einer Europäischen oder einer chinesischen Universität zu bekommen. Das Konsortium ist eine Organisation, die den neuen Forderungen genüberstehen hilft.

– Kommentieren Sie bitte die Diskussionen darüber, dass Tomsker Universitäten zu einer Universität vereinigt sein können?

–  Das sind alles nur Gerüchte. Eine rein formelle Vereinigung kann dazu führen, dass eine riesige Verwaltungsstruktur entstehen wird. Wir schaffen umgekehrt ein viel wirksameres System – ein Kooperationssystem. Ich glaube, die ganze Welt soll auf einem Kooperationssystem aufgebaut werden.

–  Sie sind Vorsitzender des Rektorenbeirates. Wie sieht das Schicksal diese Beirates aus? Wir der wegen der Gründung des Konsortiums abgeschafft? 

– Der Rektorenbeirat hat seine eigenen Aufgaben, und er spielte eigentlich eine große Rolle bei der Gründung des Konsortiums. Der Vorsitzende des Beirats wird de facto vom Bildungsminister und dem Präsidenten des russischen Rektorenverbands bestätigt. Der Beirat hat eine ganze Reihe von eigenen Aufgaben: er analysiert die Tätigkeit der Universitäten, organisiert Olympiaden, beschäftigt sich mit sozialen Fragen. Das Konsortium ist seinerseits mit einem spezialisierten Rektorenbeirat zu vergleichen und ist auf die Umsetzung der Projekte von INOTomsk´2020 orientiert. Es ist im Moment schwer die Arbeit des Konsortiums von der Arbeit des Beirates abzugrenzen, aber in diesem Bereich haben wird uns auf Zusammenarbeit geeinigt.   

– Wenn wir schon über das Projekt INOTomsk´2020 und das Hochschulkonsortium sprechen,  muss dann auch die Frage über den Bau des Campus kommen. 

–  An drei größten Tomsker Universitäten (TSU, Tomsker Polytechnische Universität (TPU) und Tomsker Universität für Steuerungssysteme und Radioelektronik (TUSUR) sind 70% der Studierenden aus anderen Städten. Und die müssen alle irgendwo wohnen, die Zimmer in den Studentenwohnheimen reichen nicht für alle. Das ist ein strategisches Problem. Bei der Auswahl der Universität spielt für die Studienbewerber das Vorhanden von Studentenwohnheimen eine große Rolle. Die Zimmer für Studenten – das ist für uns ein großes Problem. Wir haben Bewerbungen um eine Studienplatz aus China, da sie dort gut verstehen, dass die technische Ausbildung in Tomsk, besonders in Physik und Mathematik der europäische Konkurrenz machen kann. Sehr viele Studenten sind bereit nach Tomsk zu kommen, aber wir können die alle nicht unterbringen. Deswegen haben wir angefangen, neue Studentenwohnheime zu bauen ohne auf den Campus zu warten. 2012 wird ein 12-stöckiges Studentenwohnheim in der Seitenstraße Bujanowskij fertig gebaut. Es war mir schon immer bewusst, dass Wohnungen und Straßen zu den strategischen Aufgaben bei der Förderung der Forschung und Bildung in  Tomsk gehören. Ich bin froh, dass INOTomsk´2020 auch den Bau eines Campus vorsieht.

– In  der Pressekonferenz anlässlich der Gründung des Konsortiums hat der Präsident von TUSUR Anatolij Kobsew vorgeschlagen, ein Wettbewerb mit der regionalen Erdöl- und Gasindustrie um den Anteil am BRP zu machen. Glauben Sie, dass es realistisch ist?

–  Man wird uns sicher vergleichen. Aber es soll keinen Wettbewerb nur wegen de Wettbewerbs geben, jeder muss sein Ding machen. Diese Branche überholen – das ist eine sehr komplexe Aufgaben und ich würde sie nicht so leicht nehmen. Ich glaube, das hängt nicht nur von uns ab, sondern von der globalen Situation in der Welt. Aber im Großen und Ganzen werden wir unseren Anteil an BRP erhöhen.    

– Seit 2009 hat TSU 13 kleine Innovationsunternehmen im Rahmen des föderalen Gesetzes №217 geründet. Wenn man von solchen Unternehmen spricht und davon, dass die Hochschulen damit Geld verdienen, dann geht es vorwiegend um technische Bereiche. Aber TSU ist nicht nur für technische Forschungen, sondern auch für geisteswissenschaftliche gut bekannt. Trägt der geisteswissenschaftliche Bereich auch zu dem Gewinn der Universität bei?

– Die TSU ist eine klassische Universität mit einem breiten Angebot an Fakultäten für alle Forschungsbereiche: von Mathematik bis zu Kultur, Kunst und Psychologie. Die geisteswissenschaftliche Fakultäten verdienen mit den Bildungsdienstleistungen, wie z.B. die Wirtschaftsfakultät. Wie kann ein technisches Unternehmen funktionieren, wenn es keine gut ausgebildeten Betriebswirte hat. Es ist jetzt Zeit fьr gute Bildungsdienstleistungen. Das schafft Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt Innovationen sowohl in der Forschung, als auch in der Bildung. Aber  neue Entwicklungen sind nicht immer Innovationen. An vielen geisteswissenschaftlichen Fakultäten werden Innovationsprojekte umgesetzt, z.B. an der psychologischen Fakultät. Wir haben Finanzmittel bei einer Ausschreibung für die Bezahlung eines ausländischen Professors bekommen. In unsere Universität kam  eine weltbekannte Psychologin Julia Kovas aus Großbritannien. Ihre Aufgabe ist eine wissenschaftliche Schule für Kognitivistik aufzubauen. Ich glaube, diese Vision von Innovationstätigkeit lässt uns die Universität als eine absolute Innovationsstruktur  zu positionieren.       

– Welche Produkte der Innovationsunternehmen von TSU sind ihrer Meinung nach für die einfachen Bürger besonders nützlich?

– Am Tag, wo wir den Vertrag über die Gründung des Konsortiums unterzeichnet haben, hatte der Bürgermeister Wiktor Kress Geburtstag. Ich wollte ihm ein Produkt von unseren Innovationsunternehmen schenken und habe dafür die virusfreien Saatkartoffeln gewählt. Das sind sehr gute Kartoffeln, ich baue sie auch selbst auf der Datsche an. Ich wusste, dass Wiktor Kreis auf seiner Datsche auch Gemüse anbaut. Diese Kartoffeln werden groß und sind sehr lecker, auch ohne jegliche Stoffe und Dünger. Ein kleines Unternehmen muss nicht immer komplizierte technische Dinge  produzieren. Kleinunternehmen sollen das produzieren, was das Leben der Menschen leichter macht. Ich glaube es wäre jetzt falsch, nur ein Produkt oder ein Unternehmen auszuwählen. Und das zeigt mein einfaches Beispiel mit Innovationskartoffel.

– Die Innovationsprojekte haben mehr Möglichkeiten im Rahmen einer technologischen Plattform. Wie realisiert die TSU ihr Potential in dieser Sphäre?

– Es stimmt, die Forschungsentwicklungen der Universitäten haben im Rahmen einer technologischen Plattform mehr Chancen auf den Markt zu kommen. Heute beteiligt wir uns  an 12 Plattformen. Für eine Uni ist es ein Rekord. Dazu gehören: Medizin der Zukunft, nationales technologisches Plattform für Supercomputer usw. Jetzt kam dazu noch die Plattform zur Erschließung des Ozeans. Wir haben mit den technischen Plattformen insgesamt über 500 Mio. Rubel verdient.

Опубликовано:2012-04-19 08:38 | Обновлено:2012-04-19 09:54
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